Häufige Fragen

Hier finden Sie Antwort auf folgende Fragen:
Welche Vorteile haben Rechtsanwälte und Steuerberater?
Welcher Rechtsanwalt ist für meinen Fall besonders geeignet?
Was kostet die anwaltliche Leistung?
Wer trägt die Kosten des Rechtsanwalts?




Welche Vorteile haben Rechtsanwälte und Steuerberater?


Gegenüber den meisten anderen Beratern - zum Beispiel Unternehmens- oder Vermögensberatern, Banken, Versicherungsvermittlern etc. - haben Rechtsanwälte und Steuerberater sechs entscheidende Vorteile:

Mehrfach geprüfte Qualität
Ebenso wie Richter und Notare haben Rechtsanwälte ein mindestens vierjähriges rechtswissenschaftliches Hochschulstudium und eine zweijährige praktische Ausbildung (Referendariat) absolviert und dabei zwei juristische Staatsprüfungen erfolgreich abgelegt. Im Vergleich zu anderen Studiengängen sind die Durchfallquoten bei Juristen sehr hoch. Dadurch wird sichergestellt, daß nur hinreichend qualifizierte Bewerber als Rechtsanwalt arbeiten.
Steuerberater haben meistens ein betriebswirtschaftliches Hochschul- oder Fachhochschulstudium, in jedem Fall aber eine mehrjährige praktische Ausbildung absolviert und danach die Steuerberaterprüfung erfolgreich abgelegt.

Persönliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit
Rechtsanwälte und Steuerberater sind unabhängig von staatlichen Institutionen und privaten Wirtschaftsunternehmen. Ihre Tätigkeit ist gerade kein Gewerbe. Der Rechtsanwalt erhält seine Vergütung  nicht von einem Dritten, sondern von seinem Mandanten, und zwar unabhängig davon, welchen Rat er ihm erteilt und wie sich der Mandant daraufhin entscheidet. Anders als bei Provisionszahlungen oder bei anderen erfolgsabhängigen Vergütungssystemen erhält der Rechtsanwalt auch dann ein Honorar, wenn er seinem Mandanten beispielsweise von einem Vertragsschluß oder einer Klage abrät. Das gewährleistet im Rahmen des Rechts eine unabhängige, ergebnisoffene, von sachfremden Erwägungen freie, nur am Wohl des Mandanten orientierte Beratung.

Vertretung ausschließlich Ihrer Interessen
Rechtsanwälte und Steuerberater verfolgen ausschließlich die Interessen ihres Mandanten. Anwälte, die widerstreitende Interessen vertreten, können sich wegen Parteiverrats strafbar machen. Die strikte Ausrichtung am Wohl des einzelnen Mandanten ermöglicht eine engagierte, bewußt einseitige Interessenvertretung im Rahmen des Rechts. Das ist übrigens der entscheidende Unterschied zu Notaren: Diese müssen nämlich gerade neutral und unparteiisch gegenüber allen Beteiligten bleiben.

Absolute Verschwiegenheit
Rechtsanwälte und Steuerberater sowie deren Mitarbeiter sind zur absoluten Verschwiegenheit gegenüber jedermann verpflichtet. Die Verletzung dieser Verschwiegenheitspflicht ist strafbar. Deshalb haben Rechtsanwälte und Steuerberater sowie deren Mitarbeiter auch ein Zeugnisverweigerungsrecht. Dieses gilt - anders als das sogenannte "Bankgeheimnis" - auch im Strafverfahren und gegenüber Finanzbehörden. Was der Mandant seinem Anwalt oder Steuerberater anvertraut, erfährt wirklich niemand.

Versicherung gegen Schäden
Rechtsanwälte und Steuerberater müssen eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens 250.000 Euro gegen Schäden unterhalten, die aufgrund von Fehlern bei der Berufsausübung entstehen. Dadurch können Mandanten sicher sein, daß ihnen im Falle eines Falles auch ein hoher Schaden ersetzt werden kann.

Berufsrechtliche Aufsicht
Rechtsanwälte und Steuerberater unterliegen der berufsrechtlichen Aufsicht durch die jeweils zuständige Kammer. Hält ein Rechtsanwalt oder Steuerberater die beruflichen Standards nicht ein, kann er im Extremfall seine Zulassung verlieren.




Welcher Rechtsanwalt ist für meinen Fall besonders geeignet?

Neben der allgemeinen Qualität der anwaltlichen Leistung - die insbesondere abhängig ist von den persönlichen Eigenschaften des Rechtsanwalts und von der Zeit, die er sich für die Bearbeitung nimmt - ist für die besondere Eignung eines Rechtsanwalts entscheidend, ob seine fachliche Ausrichtung für Ihren Fall paßt.

Kein Rechtsanwalt kann heutzutage in allen Bereichen des sich immer schneller fortentwickelnden Rechts gleichermaßen fundierte Kompetenz vorhalten. Zwar ermöglicht das grundlegende, rechtswissenschaftliche Hochschulstudium dem Rechtsanwalt, sich in jedes Rechtsgebiet einzuarbeiten; dies ist jedoch für ein einzelnes Mandat meist unwirtschaftlich, außerdem fehlt es dafür auch an genügend Zeit, wenn die Angelegenheit dringend ist, etwa wegen laufender Fristen.

Deshalb haben sich gerade in größeren Städten die meisten Rechtsanwälte auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisiert und geben an, welche Rechtsgebiete sie bevorzugt bearbeiten. Dies darf nach der Berufsordnung der Rechtsanwälte allerdings nur soweit erfolgen, wie den Angaben entsprechende Kenntnisse auch nachgewiesen werden können. Wer qualifizierende Zusätze verwendet, muß über entsprechende theoretische Kenntnisse verfügen und auf dem benannten Gebiet in erheblichem Umfang tätig gewesen sein, also praktische Erfahrungen haben. Sämtliche Angaben, die ein Rechtsanwalt hinsichtlich seiner Spezialisierung macht, müssen somit richtig sein und auf Verlangen gegenüber der Rechtsanwaltskammer nachgewiesen werden können. Eine gesonderte Prüfung der fachlichen Qualität des Rechtsanwalts findet dabei allerdings nicht statt (dafür hat jeder Rechtsanwalt bereits zwei Staatsexamina erfolgreich abgelegt).

Dies gilt auch für den qualifizierenden Zusatz "Fachanwalt", der berufsrechtlich besonders geregelt ist. Entgegen oft verbreiteter Darstellung hat die Rechtsanwaltskammer auch bei Fachanwälten nicht geprüft, ob diese fachlich besonders qualifiziert sind. Vielmehr verleiht die Rechtsanwaltskammer die entsprechende Fachanwaltsbezeichnung grundsätzlich ohne gesonderte Prüfung immer dann, wenn ein mindestens drei Jahre lang tätiger Rechtsanwalt die erfolgreiche Teilnahme an einem rund 20-tägigen einschlägigen Fortbildungskurs (Fachanwaltslehrgang privater Anbieter) nachweist und außerdem eine Liste mit einer bestimmten Anzahl von von ihm bearbeiteten Fällen (in den meisten Rechtsgebieten sind es 80) aus den vorangegangenen drei Jahren vorlegt. Ob die Fälle gut bearbeitet wurden, spielt keine Rolle. Die einzige Leistungskontrolle findet in Form von drei schriftlichen fünfstündigen Klausuren im Rahmen des Fortbildungskurses statt.

Die Fachanwaltsbezeichnungen wurden ursprünglich eingeführt, um Rechtsanwälten gegenüber anderen Berufsgruppen (zunächst, 1949, bei der Einführung des Fachanwalts für Steuerrecht, waren es die Steuerberater) bessere Marktchancen zu verschaffen. Auch heute ist eine Fachanwaltsbezeichnung in erster Linie ein Marketinginstrument. Sie bietet jedoch - insbesondere durch die Leistungskontrollen im Fachanwaltslehrgang - ein geprüftes Mehr gegenüber einer bloßen Selbsteinschätzung des Rechtsanwalts.

Nach der allgemeinen Qualität und der fachlichen Ausrichtung ist für die Auswahl eines passenden Rechtsanwalts die Lage der Kanzlei von Bedeutung. In Fällen, in denen eine gerichtliche Auseinandersetzung in Betracht kommt, sollte die Kanzlei am Ort des zuständigen Gerichts liegen.

Ansonsten entstehen für die Wahrnehmung von Gerichtsterminen durch den Rechtsanwalt nämlich zusätzliche Reisekosten, die der Mandant auch dann letztlich selbst tragen muß, wenn er rechtsschutzversichert ist oder den Prozeß gewonnen hat. Denn eine Rechtsschutzversicherung übernimmt regelmäßig nur Kosten bis zur Höhe der gesetzlichen Vergütung eines am Gerichtsort ansässigen Rechtsanwalts, es sei denn, der Versicherungsnehmer wohnt mehr als 100 Kilometer Luftlinie vom zuständigen Gericht entfernt. Auch nach einem Prozeß werden der obsiegenden Partei Kosten nur erstattet, soweit sie notwendig waren. Zu den notwendigen Kosten können auch Kosten für Fahrten des Mandanten zu seinem Rechtsanwalt gehören.

Es gilt abzuwägen: Wie hoch sind gegenüber den Mehrkosten für Reisen des Rechtsanwalts zum Gericht die Kosten, die für Ihre eigenen Fahrten zu Ihrem Rechtsanwalt entstehen? Und: Gibt es am Gerichtsort (oder an Ihrem Wohnort) überhaupt einen für die einschlägigen Rechtsfragen hinreichend spezialisierten Rechtsanwalt? Letzteres wird häufig nur in größeren Städten der Fall sein.

In manchen Fällen kann schließlich auch die Zahl der in der Kanzlei tätigen Rechtsanwälte eine Rolle spielen.

Immer dann, wenn Ihr Anliegen nur durch ein Zusammenwirken mehrerer spezialisierter Rechtsanwälte, erforderlichenfalls auch Steuerberater, bearbeitet werden kann oder aus Zeitgründen eine Vielzahl von Rechtanwälten und Steuerberatern gleichzeitig tätig werden muß - beispielsweise bei größeren Unternehmenskäufen -, bietet eine große Kanzlei, die sofort mehrere Berufsträger als eingespieltes Team zur Verfügung stellen kann, Vorteile.

In allen anderen, nämlich den meisten Fällen ist die Größe der Kanzlei für die Mandatsbearbeitung jedoch unerheblich. Denn dann wird Ihr Fall auch in einer Kanzlei mit mehreren Rechtsanwälten nur von einem Rechtsanwalt bearbeitet. Und es ist keineswegs so, daß in einer größeren Kanzlei immer die besseren Rechtsanwälte tätig sind.




Was kostet die anwaltliche Leistung?


Die Vergütung richtet sich nach der Vereinbarung, die Sie mit Ihrem Rechtsanwalt treffen. Üblich ist die Vereinbarung eines Stundenhonorars für jede vom Rechtsanwalt für die Bearbeitung des Mandats benötigte Zeitstunde oder eines Pauschalhonorars, also eines Festpreises für die vereinbarte anwaltliche Tätigkeit. Auch Mischformen aus Pauschal- und Zeithonorar sind möglich.

Treffen Sie keine ausdrückliche Vergütungsvereinbarung, gilt insbesondere das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Danach wird die Vergütung in Angelegenheiten aus dem Zivilrecht oder aus dem Steuer- oder Verwaltungsrecht grundsätzlich aus zwei Faktoren errechnet:
aus der Gebühr, die vom Gegenstandswert der Angelegenheit - also vom wirtschaftlichen Wert des Anspruchs, um den gestritten wird - abhängt, und
aus dem Gebührensatz, der sich nach den in Auftrag gegebenen und vom Rechtsanwalt erbrachten Leistungen richtet.

Ein Beispiel: Wird der Rechtsanwalt beauftragt, gegen einen Versicherer eine Versicherungsleistung in Höhe von 4.000 Euro einzuklagen, beträgt der Gegenstandswert 4.000 Euro. Bei diesem Gegenstandswert beträgt eine Gebühr nach dem RVG 252 Euro. Für Fertigung und Einreichung der Klageschrift entsteht nach dem RVG eine sogenannte Verfahrensgebühr mit einem Gebührensatz von 1,3, für die Teilnahme an der mündlichen Verhandlung vor Gericht eine sogenannte Terminsgebühr mit einem Gebührensatz von 1,2. Die Gebühren nach dem RVG belaufen sich für das Klageverfahren bis zu einem erstinstanzlichen Urteil also insgesamt auf 252 x 1,3 + 252 x 1,2 = 630 Euro.

Für ein erstes Beratungsgespräch beträgt das übliche Honorar nur zwischen 10 und 190 Euro (zuzüglich Umsatzsteuer), wenn die Beratung weder mit einer gewerblichen noch mit einer selbständigen beruflichen Tätigkeit des Mandanten zusammenhängt.

Neben den Gebühren als Honorar für die eigentliche Tätigkeit des Rechtsanwalts hat der Auftraggeber dem Rechtsanwalt auch die im Zusammenhang mit der Tätigkeit angefallenen Auslagen, insbesondere Porto- und Telefonkosten sowie die Umsatzsteuer zu ersetzen.

Die voraussichtlich entstehenden Gebühren und Auslagen kann der Rechtsanwalt im voraus verlangen. Üblicherweise wird er also eine entsprechende Vorschußrechnung stellen.

Steuerberater rechnen nach ähnlichen Grundsätzen wie Rechtsanwälte ab.





Wer trägt die Kosten des Rechtsanwalts?

Die anwaltliche Vergütung hat grundsätzlich der Auftraggeber, also der Mandant zu bezahlen. In vielen Fällen bleibt er aber im Ergebnis letztlich nicht auf den Kosten sitzen.

Besteht für die Angelegenheit eine Rechtsschutzversicherung, so stellt diese ihren Versicherungsnehmer oder mitversicherte Personen bereits ab Beginn des Mandats von den gesetzlichen Kosten für einen Rechtsanwalt und gegebenenfalls auch von den Gerichtskosten und den zu ersetzenden Kosten des Gegners frei. Bereits die Vorschüsse für Anwalts- und Gerichtskosten werden vom Versicherer getragen.

Häufig kann der Mandant die Kosten seines Rechtsanwalts vom Gegner ersetzt verlangen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn er in einem Zivilprozeß vor Gericht gewonnen hat. Dann ist der Gegner regelmäßig verpflichtet, die Kosten des Rechtsstreits zu tragen. Aber auch ohne gerichtliches Verfahren besteht oft ein Ersatzanspruch. So gehören Rechtsanwaltskosten regelmäßig zu dem Schaden, den jemand aufgrund einer verschuldeten Pflichtverletzung einem anderen zu ersetzen hat. Typisches Beispiel ist der Verkehrsunfall. Das gleiche gilt, wenn eine Forderung auch nach einer wirksamen Mahnung nicht bezahlt wird. Mit der Mahnung kommt der Schuldner in Verzug und muß dem Gläubiger die Rechtsanwaltskosten für die Beitreibung der Forderung als Verzugsschaden ersetzen.

Wer nur über ein geringes Einkommen und Vermögen verfügt, erhält auf Antrag beim zuständigen Gericht Beratungs- beziehungsweise Verfahrenskostenhilfe. Die Kosten für den eigenen Rechtsanwalt und gegebenenfalls die Gerichtskosten werden dann ganz oder teilweise von der Staatskasse getragen. Für die außergerichtliche Beratung und Vertretung durch einen Rechtsanwalt kann der Rechtsuchende zunächst Beratungshilfe beim örtlichen Amtsgericht beantragen. Dieses erteilt bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen einen Beratungshilfeschein, den der Rechtsuchende dann beim ersten Beratungsgespräch dem Rechtsanwalt seines Vertrauens vorlegt.